Laudatio von Thomas Recktenwald
zur Verleihung des Deutschen Science Fiction Preises 2009
Dirk C. Fleck
"Das Tahiti-Projekt"
(erschienen im Pendo Verlag)
Im Jahre 2022 beendet Tahiti eine neun Jahre währende Informationssperre. Präsident
Omai lädt Journalisten aus aller Welt ein, das Ergebnis der von ihm initiierten
Umbauarbeiten in Ökologie und Ökonomie zu studieren, finanziert durch EU-Hilfen
an die inzwischen unabhängige Insel. Ausgerichtet an den Prinzipien des Equilibrismus,
nämlich der Verknüpfung von ökologischen Alternativen mit einer nachhaltigen
Wirtschaftsordnung und einem natürlichen Kreislauf-Wirtschaftssystem, bietet
Tahiti den Kontrast zur restlichen Welt, in der Großkonzerne länderübergreifend kooperieren,
um die letzten Reserven an Bodenschätzen und Rohstoffen der Natur
auszubeuten.
Zu den Pressevertretern zählt Maximilian Cording, Angestellter eines gleichermaßen
marktbeherrschenden wie vom Markt beherrschten Medienkonzerns. Er kennt
Tahiti und Omai bereits von einem früheren Aufenthalt, und durch seine Augen
nimmt der Leser die Veränderungen wahr, die auf der
Insel in der vorangegangenen Dekade durchgesetzt wurden. Cording erlebt den positiven Einfluß einer am Equilibrismus
ausgerichteten Politik sowohl auf die insulare Gesellschaft als auch auf
sein eigenes Wertesystem, muß aber erkennen, daß dies Tahiti nicht davor schützt,
durch seine unterseeischen Rohstoffe zum Spielball einer Weltpolitik zu werden, die
ihrem Hunger nach Ressourcen offenbar keine Grenzen setzt.
Man muss Dirk C. Fleck bewundern, denn die klassische Utopie ist seit vielen Jahren
aus der Mode gekommen. Viele Autoren und Leser bevorzugen genau das Gegenteil
und genießen es, wenn die Erde in Endzeit-Szenarien untergeht. In "Das Tahiti-
Projekt" jedoch schreibt der Autor über eine hoffnungsvolle Idee und baut seinen
Roman auf dem Ergebnis einer wirklich umfassenden Recherche auf. Nichts, was in
diesem Buch beschrieben wird, ist unrealistisch oder im meist abwertend gebrauchten
Sinne "utopisch". Lediglich der Mensch steht einer Umsetzung im Wege.
Der Mut des Autors, gegen den Strom zu schwimmen und seine Ideen in einen
gleichermaßen unterhaltenden wie zum Nachdenken anregenden Roman umzusetzen,
überzeugte das Komitee, "Das Tahiti-Projekt" von Dirk C. Fleck mit dem
Deutschen
Science Fiction Preis 2009
auszuzeichnen.
Thomas Recktenwald
- für das Preiskomitee des DSFP -